1. TV-Nutzung: linear, Streaming, AVOD
Direkte Antwort: Die durchschnittliche tägliche TV-Sehdauer in der Schweiz liegt gemäss Mediapulse bei rund 100–180 Minuten pro Person, abhängig vom Alter. Über 60-Jährige schauen oft über 200 Min/Tag, unter 30-Jährige deutlich weniger als 60 Min/Tag — dafür mehr Streaming.
Lineares TV: weiterhin gross, aber schrumpfend
SRF (Deutschschweiz), RTS (Romandie) und RSI (Tessin) bleiben in ihren Sprachregionen die meistgesehenen Sender. Private CH-Sender (3+, TV24, TV25, S1) und CH Media-Anbieter ergänzen das Angebot. Daneben hat die Schweiz hohen Anteil ausländischer Sender im Kabel: Pro7, RTL, ARD, ZDF für die Deutschschweiz; TF1, M6, France 2/3 für die Romandie; Mediaset, RAI für Tessin.
Streaming und AVOD im Aufstieg
Netflix, Disney+, Amazon Prime Video haben in der Schweiz hohe Penetration erreicht. Mit den werbefinanzierten Tarifen (AVOD, Advertising-supported Video on Demand) entsteht ein neuer Werbemarkt parallel zum klassischen TV. Mediapulse erfasst zunehmend Total-Video-Reichweiten, was die Vergleichbarkeit verbessert.
Quelle: Mediapulse Fernsehforschung — offizielle Branchenstandard-Studie für CH-TV-Reichweiten. BAKOM veröffentlicht zusätzlich Marktanteils-Statistiken.
2. Radio und Audio: UKW, DAB+, Spotify, Podcast
Direkte Antwort: Schweizer hören gemäss Mediapulse Radiopanel im Durchschnitt rund 100–130 Min Radio pro Tag — ein im EU-Vergleich hoher Wert. Pendler-Auto, Büro-Hintergrund und Morgenroutine sind die Haupt-Hörkontexte.
SRG-Sender dominieren, regionale Sender wachsen
- SRF 1, SRF 3, Radio SRF Musikwelle dominieren die Deutschschweiz
- La Première, Espace 2, Couleur 3 in der Romandie
- RSI Rete Uno/Due/Tre im Tessin
- Privatradios: Energy Zürich/Bern/Basel, Radio 24, Radio FM1, Radio Argovia, Radio 32 und kantonale Anbieter
UKW vs. DAB+ vs. Streaming
Die UKW-Abschaltung in der Schweiz wurde mehrfach verschoben — aktuell bleibt UKW vorerst auf Sendung. Parallel ist DAB+ gut etabliert. Streaming-Audio (Spotify, Apple Music) und Podcasts gewinnen vor allem bei unter 35-Jährigen. Spotify-Werbung und Podcast-Sponsoring sind der wachsende Werbemarkt im Audio-Bereich.
Quelle: Mediapulse Radiopanel, BAKOM Medienberichte.
3. Online-Nutzung und Smartphone
Direkte Antwort: Über 95 % der Schweizer Bevölkerung nutzen das Internet regelmässig. Smartphone ist das führende Endgerät, vor Desktop/Laptop und Tablet. Die durchschnittliche tägliche Online-Nutzung liegt bei mehreren Stunden — je nach Erhebung 3 bis 5+ Stunden pro Tag bei jungen Erwachsenen.
Was Schweizer online tun
- Kommunikation: WhatsApp, E-Mail, Telegram, Threema (CH-spezifisch hohe Verbreitung)
- News: 20 Minuten App, NZZ, Watson, Tagesanzeiger, SRF News, Blick
- Shopping: digitec, Galaxus, Brack, Zalando, Amazon (DE/AT-Cross-Border)
- Streaming: Netflix, Disney+, YouTube, Spotify, Twitch
- Banking: Twint (CH-spezifisch dominant), E-Banking-Apps
- Social Media: WhatsApp für alle, Instagram und TikTok bei Jungen, Facebook bei 35+
Twint: das Schweizer Mobile-Payment-Phänomen
Twint ist eine echte CH-Eigenheit: ein einheimischer Mobile-Payment-Standard mit hoher Marktdurchdringung. Aktive Nutzerbasis im Millionenbereich. Wer in der Schweiz Mobile-Payment plant, kommt an Twint nicht vorbei.
Quellen: BFS IKT-Erhebung, BAKOM Medien-Monitor, IGEM-digiMonitor.
4. Print: Tageszeitungen, Magazine, Pendlermedien
Direkte Antwort: Die Print-Reichweite schrumpft strukturell, aber zwei Formate halten sich hartnäckig: Pendler-Gratiszeitungen (20 Minuten DE/FR/IT) mit Millionen-Reichweite und Wochenmagazine wie NZZ am Sonntag, SonntagsZeitung, Le Matin Dimanche.
WEMF-Reichweiten (Auswahl, gerundete Werte)
Die WEMF MACH Basic-Studie misst halbjährlich die Reichweiten gedruckter Medien in der Schweiz. Eine Auswahl gemäss jährlich publizierter Daten (Reichweiten in der jeweiligen Sprachregion, Werte schwanken):
- 20 Minuten (DE/FR/IT zusammen): Pendler-Reichweite im siebenstelligen Bereich pro Tag
- Blick: weiterhin grosse Print- und Online-Reichweite
- Tagesanzeiger, NZZ: starke Premium-Reichweiten in Deutschschweiz
- Le Temps, 24 heures, Tribune de Genève: in der Romandie
- Corriere del Ticino, La Regione: im Tessin
Quelle: WEMF MACH Basic. Konkrete Reichweiten-Zahlen der jeweils aktuellen MACH-Welle entnehmen.
5. Generationsschnitt: Boomer, GenX, Millennials, GenZ
Die Mediennutzung in der Schweiz spaltet sich entlang der Altersachse stärker als entlang Geschlecht oder Bildung. Hier eine vereinfachte Heuristik:
| Generation | TV/Tag | Online/Tag | Top-Plattformen |
|---|---|---|---|
| 60+ (Boomer/älter) | 200+ Min | 1–2 h | SRF, Print, WhatsApp, E-Mail |
| 45–59 (GenX) | 150–200 Min | 2–4 h | SRF, News-Apps, Facebook, WhatsApp |
| 30–44 (Millennials) | 60–120 Min | 4–6 h | News-Apps, Streaming, Instagram, Spotify |
| 16–29 (GenZ) | < 60 Min linear | 6+ h | TikTok, Instagram, YouTube, Twitch, Spotify |
Plausible Schätzung basierend auf Mediapulse-Altersdaten, IGEM-digiMonitor und JAMES-Studie der ZHAW (Mediennutzung Jugendliche).
6. Sprachregionen-Vergleich
Drei wichtige Beobachtungen für die werbliche Planung:
Deutschschweiz: stark Print-Pendlerorientiert
20 Minuten und SRF dominieren. Tamedia-Tageszeitungen (Tagesanzeiger, Berner Zeitung) haben eine treue Leserschaft. Online: hohe Smartphone-Nutzung, starke News-App-Verbreitung.
Romandie: TV-affiner
RTS-Reichweite ist anteilig höher als SRF in der Deutschschweiz. Spillover aus Frankreich (TF1, M6, France 2) erweitert das TV-Angebot — mit französischer Werbung, die in der Schweiz nicht 1:1 wirkt. Print: 20 Minutes als Pendlerzeitung, Le Matin Dimanche und Le Temps als Premium.
Tessin: italienisch-orientiert
RSI ist dominant, aber italienische Sender (RAI, Mediaset) erreichen ebenfalls hohe Reichweiten. Print: 20 Minuti, Corriere del Ticino. Werbe-Markt ist klein, was zu Spillover-Werbung aus Italien führt.
Vertiefung im Spoke Werbung Romandie vs. Deutschschweiz: 8 Unterschiede.
Was das für Werbung bedeutet
Drei strategische Konsequenzen ergeben sich aus dem Mediennutzungs-Bild:
- Mediennutzung fragmentiert sich. Reichweite wird teurer, weil sie sich auf mehr Kanäle verteilt.
- Aufmerksamkeit ist umkehrt-proportional zur Mediennutzung. Wer mehr Medien parallel konsumiert (Smartphone während TV), schenkt jedem einzelnen Kanal weniger Aufmerksamkeit.
- Cookieless & Datenschutz verlangen neue Plattform-Modelle. First-Party-Daten und Consent-basierte Beziehungen werden wichtiger — vertieft im Cluster 4 unter Cookieless Werbung Schweiz.
Bei Videte denken wir in genau diese Richtung: Wenn Konsumenten ihre Aufmerksamkeit bewusst geben (und dafür vergütet werden), entsteht ein Werbe-Modell jenseits der Reichweiten-Schleuderei. Wer mehr dazu lesen will, beginnt im Pillar Schweizer Werbemarkt 2026.