1. Wer vermarktet welchen Sender?
Direkte Antwort: Drei Hauptvermarkter dominieren den Schweizer TV-Werbemarkt: admeira (SRG-Sender SRF, RTS, RSI), Goldbach (private Sender 3+, TV24, TV25, S1, ProSiebenSat.1-Schweiz-Fenster und weitere) und CH Media (eigene Sender und teils via Goldbach vermarktet).
Überblick (Stand 2026, Anschluss-Verhältnisse können wechseln)
- admeira: SRF 1, SRF zwei, SRF info; RTS Un, RTS Deux; RSI La 1, RSI La 2 — plus Online-/Radio-Inventar
- Goldbach Switzerland: 3+, 4+, 5+, 6+, TV24, TV25, S1, RTL/Pro7/Sat.1-Schweiz-Fenster, Sky-Schweiz-Inventar (je nach Vereinbarung)
- CH Media: TVO, Tele Top, Tele Züri und weitere regionale Sender
Tarif-Details und Anschluss-Verhältnisse jeweils direkt bei admeira, Goldbach, CH Media einsehen.
2. TKP und Spot-Preise: realistische Werte
Direkte Antwort: Der Tausenderkontaktpreis (TKP) bei klassischer Schweizer TV-Werbung liegt typischerweise im zweistelligen Frankenbereich, je nach Sender, Tageszeit, Zielgruppe und gebuchtem Volumen. Premium-Slots zur Hauptsendezeit auf SRF 1 erreichen deutlich höhere TKPs als Tagesinventar auf privaten Sendern.
Sehr grobe Orientierung (Branchen-Spannweiten, individuelle Tarife prüfen)
| Slot-Typ | 30-Sek-Spot | TKP-Bereich |
|---|---|---|
| SRF 1, Prime Time (vor Tagesschau / 19:30) | im hohen vierstelligen Frankenbereich | 20–50 CHF |
| SRF 1, Tageszeit | tieferer vierstelliger Bereich | 10–25 CHF |
| 3+ / TV24 / privat Prime Time | im niedrigeren vierstelligen Bereich | 15–35 CHF |
| RTS Prime Time | vergleichbar SRF 1, regional skaliert | 15–40 CHF |
| Connected TV / AVOD (Netflix Ads etc.) | nach Volumen | 20–60 CHF (Targeting-abhängig) |
Plausible Schätzung basierend auf publizierten Tarif-Listen, Goldbach-Insertions-Karten und Mediaagentur-Branchengesprächen. Konkrete Tarife: admeira-, Goldbach- und CH-Media-Tarif-PDFs (Stand 2026 jeweils geprüft).
3. Mindestbudgets für Wirkung
Direkte Antwort: Für eine TV-Kampagne mit messbarer Wirkung empfehlen Mediaagenturen typischerweise CHF 50'000 bis 100'000 pro Sprachregion und Werbe-Welle als Untergrenze. Darunter wird die Frequenz pro Zielperson zu tief, um Recall und Aufmerksamkeit aufzubauen.
Faustregel-Beispiel für Deutschschweiz-Kampagne
- Reichweiten-Ziel: 50 % Nettoreichweite bei 25–54 J., Frequenz 3–5
- Spotanzahl: 60–120 Spots verteilt über 2–4 Wochen
- Mediabudget Netto: CHF 80'000–150'000 pro Welle
- Plus Produktion: Spot-Produktion ab CHF 20'000 (einfach) bis über CHF 200'000 (Premium)
- Plus Mediaagentur-Honorar: typischerweise 10–15 % vom Mediabudget
Wer national wirbt (Deutschschweiz + Romandie + Tessin), multipliziert das Budget entsprechend — mit kleineren Werten für Tessin (kleinerer Markt) und grösseren für die Deutschschweiz (grösster Markt).
4. Nettoreichweite vs. Bruttokontakte — der wichtigste Unterschied
Mediapulse misst die TV-Reichweite. Die zwei wichtigen Werte:
- Bruttokontakte (GRP, Gross Rating Points): Summe aller Kontakte, Mehrfachkontakte zählen mehrfach
- Nettoreichweite: Wieviel Prozent der Zielgruppe wurde mindestens 1x erreicht
Eine Kampagne mit 300 GRP und einer Frequenz 3 hat 100 Punkte Nettoreichweite, vereinfacht. Für Branding-Kampagnen ist die Nettoreichweite die wichtigere Grösse, für Aktivierungs-Kampagnen die Frequenz.
Methodik: Mediapulse Fernsehforschung. Vermarkter rechnen GRP-Pakete und kommunizieren Netto-Reichweiten nach Mediapulse-Methodik.
5. SRG-Regulierung und Werberegeln
Die SRG unterliegt strengeren Werberegeln als private Sender. Das Radio- und Fernsehgesetz (RTVG) und die Radio- und Fernsehverordnung (RTVV) regeln:
- Maximale Werbedauer pro Stunde (auf SRG niedriger als auf privaten Sendern)
- Verbot von Unterbrecherwerbung in vielen Sendungs-Typen
- Werbeverbote für bestimmte Produktkategorien (politisch, religiös, Tabak, gewisse Alkoholarten)
- Vorgaben zu Sponsoring-Kennzeichnung und Trennung redaktionell/werblich
- Zwischen Sendung und Werbeblock klare Trennung (akustisch und visuell)
Für private Sender gelten weniger strenge Vorgaben, aber das Radio- und Fernsehgesetz bleibt der Rahmen. Werbung für rezeptpflichtige Medikamente, politische Parteien zu bestimmten Zeiten und gewisse Finanzprodukte ist auch dort eingeschränkt.
Quelle: BAKOM Werbung im Radio und Fernsehen, Radio- und Fernsehgesetz (RTVG), Radio- und Fernsehverordnung (RTVV).
6. TV vs. Online-Aufmerksamkeit
Wenn Sie zwischen TV-Werbung und Online-Werbung abwägen, helfen drei Vergleichs-Achsen:
| Achse | TV (linear) | Online (Display/Social) |
|---|---|---|
| TKP | 10–50 CHF | 2–15 CHF (Display), 15–40 CHF (Social Premium) |
| Aufmerksamkeit pro Kontakt | tendenziell hoch (Lean-Back-Modus) | tendenziell tief (Banner-Blindheit) |
| Targeting-Genauigkeit | grob (Sender, Sendezeit, Sendung) | fein (Demografie, Verhalten, Lookalikes) |
| Messung | Mediapulse-Panel-basiert | klick-/event-basiert, Conversion-Tracking |
| Branding-Wirkung | stark, etabliert | moderat, je nach Format |
| Performance/Direkt-Conversion | moderat, schwer messbar | stark, gut messbar |
Die Werbedebatte 2026 ist nicht TV vs. Online, sondern Channel-Mix: TV für Reichweite und Branding, Online für Targeting und Performance, Connected TV / AVOD als Brücke. Plus — und das ist der strukturelle Trend — Plattformen mit aktiv gegebener Aufmerksamkeit, die ein neues Werbe-Modell etablieren.
Vertiefend zum Thema Aufmerksamkeit als knappe Ressource: Banner-Blindheit Schweiz und der Pillar Schweizer Werbemarkt 2026.
Was bedeutet das für Ihre Mediaplanung?
Fünf konkrete Empfehlungen für 2026:
- TV bleibt relevant für Branding bei 35+. Wer Detailhandel, Versicherer, Telekom oder FMCG vermarktet, kommt am TV-Kanal nicht vorbei.
- Listenpreise sind Verhandlungsbasis. Ohne erfahrene Mediaagentur zahlen Sie zu viel.
- CTV/AVOD prüfen. Netflix Ads, Disney+ Standard with Ads, YouTube auf TV erreichen die TV-flüchtigen Zielgruppen.
- Channel-Mix denken. TV für Reichweite, Online für Targeting, Aufmerksamkeits-Plattformen für echte Engagement-Messung.
- Mindestbudget realistisch ansetzen. Eine 5'000-Franken-TV-Kampagne ist meist herausgeworfenes Geld — zu wenig Frequenz für Wirkung.