Direkte Antwort: Es kommt auf die Suchintention an
Die Frage «Google oder Meta» ist eigentlich die Frage: Suchen Ihre Kunden aktiv oder werden sie passiv erreicht? Bei aktiver Suche (jemand tippt «Sanitär Notfall Zürich») gewinnt Google Ads klar. Bei passiver Erreichung (jemand scrollt durch Instagram und sieht eine schöne Coiffeur-Kreation) gewinnt Meta. Beide Plattformen tun unterschiedliche Dinge gut — sie konkurrieren weniger, als man denkt.
Schweizer Preisbild 2026: CPC und CPM im Vergleich
| Branche | Google CPC (CHF) | Meta CPM (CHF) | Empfehlung |
|---|---|---|---|
| Lokales Handwerk | 0.80–2.50 | 6–12 | Google primary, Meta supportive |
| Treuhand / Beratung | 4.00–15.00 | 10–18 | LinkedIn > Google > Meta |
| Versicherung / Finanzen | 5.00–25.00 | 12–25 | Google primary (Suchintention klar) |
| Lokaler Retail | 0.50–1.80 | 6–15 | Meta primary, Google Shopping supportive |
| Gastronomie | 0.60–2.20 | 5–12 | Meta + Google Maps |
| Coiffeur / Beauty | 0.80–2.50 | 6–15 | Meta primary (Visualität) |
| E-Commerce | 0.60–3.00 | 8–20 | Beide parallel nötig |
| B2B SaaS | 3.00–12.00 | 15–30 | LinkedIn > Google >> Meta |
Richtwerte aus eigenen Kampagnen und gemittelten Schweizer Benchmarks (WordStream, Hootsuite Schweiz-Daten, Branchenstatistiken). Schwankung pro Tag, Saison und Wettbewerb üblich.
Google Ads — Stärken und Schwächen für KMU
Stärken
- Hohe Kaufbereitschaft: Wer aktiv sucht, hat oft Budget und Zeitdruck.
- Lokales Targeting: Radius-Targeting auf 1–50 km, ideal für lokale Dienstleister.
- Klare Conversion-Pfade: Klick → Landing Page → Anruf/Formular.
- Skalierbar: Wenn ROI stimmt, kann das Budget erhöht werden ohne Qualitätsverlust.
Schwächen
- Hoher CPC in CH: 50–80 % über DACH-Durchschnitt.
- Klick-Betrug: 5–15 % der Klicks bei kompetitiven Keywords sind nicht-menschlich oder Konkurrenz.
- Performance Max ist eine Black Box: KMU bekommen weniger Einblick in Kanal-Performance.
- Funktioniert nicht ohne Suchnachfrage: Neue Produkte ohne etablierten Suchbegriff sind schwierig.
Meta Ads (Facebook/Instagram) — Stärken und Schwächen
Stärken
- Visuelle Inszenierung: Ideal für Produkte, die man «sehen muss um zu wollen».
- Demand Generation: Sie schaffen Nachfrage, statt nur bestehende abzugreifen.
- Lookalike-Audiences: Zielgruppen-Erweiterung basierend auf bestehenden Kundendaten.
- Tieferer CPM bei B2C: Skalierung mit kleinerem Budget möglich.
Schwächen
- Targeting basiert auf Inferenzen: Meta schliesst aus Verhalten auf Interessen, das ist ungenau.
- Cookie-Tracking unsicher: iOS 14+ und Tracking-Prevention machen Conversion-Tracking lückenhaft.
- Creative Fatigue: Anzeigen verlieren in 2–4 Wochen ihre Wirkung — konstante Creative-Produktion nötig.
- Geringere Conversion-Quote: Passive Erreichung → weniger Kaufabsicht als bei Suche.
Drei Praxis-Beispiele aus der Schweiz
Sanitär-KMU in Zürich. Hauptgeschäft: Notfälle. Budget CHF 1'500/Monat.
Empfehlung: 90 % Google Ads, 10 % Meta-Brand-Präsenz. Suchintention klar, Marge pro Notfall-Auftrag rechtfertigt CHF 4–7 CPC. Meta nur für Brand-Awareness und Empfehlungs-Effekte.
Online-Shop für Bio-Kosmetik. Budget CHF 4'500/Monat.
Empfehlung: 60 % Meta (Instagram-fokussiert mit User-Generated-Content + Lookalikes), 40 % Google (Shopping + Brand-Defense). Visuelles Produkt → Meta gewinnt Demand-Gen, Google fängt Direct-Search ab.
Strategie-Beratung für Schweizer KMU. Budget CHF 3'000/Monat.
Empfehlung: 50 % LinkedIn Ads (Job-Title-Targeting), 30 % Google Ads (Brand + Long-Tail-Keywords), 20 % Profilbasis-Werbung Videte (Filter: Geschäftsführer KMU CH). Meta lohnt sich hier kaum — B2B-Targeting zu unscharf.
Wo Profilbasis-Werbung als dritte Option ins Spiel kommt
Google Ads liefert Suchintention. Meta liefert Demand-Generation. Profilbasis-Plattformen wie Videte liefern eine dritte Logik: deklarierte Kaufabsichten. Nutzer haben in ihrem Profil angegeben «Ich plane in 6 Monaten umzuziehen» oder «Mein Krankenkassen-Vertrag läuft im Dezember aus» — das ist ein Targeting, das weder Google noch Meta liefern können.
Für KMU mit klarer Verkaufs-Saison oder spezifischen Lebenssituationen als Trigger ist das eine effiziente Ergänzung. Mehr im Pillar «Zielgruppenwerbung für Schweizer KMU» und im Spoke «CPM-Vergleich Schweiz».
Cookie-Tracking — das gemeinsame Problem
Beide Plattformen leiden unter sinkender Cookie-Consent-Quote. Google reagiert mit Enhanced Conversions und Server-side Tagging, Meta mit dem Conversions API. Wer keinen sauberen serverseitigen Tracking-Setup hat, sieht heute nur 50–65 % seiner echten Conversions. Mehr im Cluster-Pillar «Werbung ohne Drittanbieter-Cookies».
Was bedeutet das für Sie konkret?
- Suchintention klar? Google Ads zuerst.
- Visuelles B2C-Produkt? Meta zuerst.
- B2B-Service? LinkedIn vor Meta, Google parallel.
- Spezifische Lebenssituationen als Trigger? Profilbasis-Werbung prüfen.
- Budget unter CHF 800/Monat? Erst einen Kanal sauber lernen, dann erweitern.