Warum gibt es keinen Freibetrag?
Das Schweizer Steuerrecht kennt das Konzept «steuerbares Einkommen»: alles, was du an Geld einnimmst und das eine Erwerbstätigkeit darstellt, gehört grundsätzlich dazu. Es gibt zwar Freibeträge bei der Vermögenssteuer, kantonale Sozialabzüge und Pauschalen für Berufsauslagen — aber keinen pauschalen Freibetrag für «Kleinverdienste bis CHF X».
Der Hintergrund ist einfach: Das Schweizer System geht davon aus, dass jede Person ihren Beitrag zur Steuergerechtigkeit leistet, und korrigiert Belastungen über den progressiven Tarif — nicht über Freibeträge auf bestimmte Einkommens-Arten. Wer wenig verdient, zahlt am Ende auch wenig Steuern. Aber deklarieren muss jede Person.
Der häufigste Irrtum: «Bis CHF 2'500 muss ich nichts versteuern»
Diese Verwechslung passiert oft. Sie hört sich plausibel an — und ist trotzdem falsch. AHV-Beitragspflicht und Steuerpflicht sind zwei separate Systeme mit unterschiedlichen Schwellen und Regeln. Mehr dazu im Pillar-Guide zur Nebenverdienst-Versteuerung und im Spoke zur AHV-Anmeldung.
Vergleich Schweiz / Deutschland: warum die Verwirrung entsteht
Viele in der Schweiz lebende Menschen lesen deutsche Ratgeber — und übertragen die Regeln auf die Schweizer Situation. Das führt zu Fehlannahmen.
| Thema | Deutschland | Schweiz |
|---|---|---|
| Freigrenze sonstige Einkünfte | EUR 256 / Jahr | Keine |
| Übungsleiter-Pauschale | EUR 3'000 / Jahr | Keine |
| Ehrenamtspauschale | EUR 840 / Jahr | Keine direkte Entsprechung |
| Sozialvers.-Schwelle Nebenerwerb | Geringfügig EUR 538/Monat | CHF 2'500 / Jahr (AHV) |
Quelle: deutsches EStG § 22 Nr. 3, schweizerisches DBG / kantonale Steuergesetze. Stand 2025/2026.
Die deutsche Freigrenze von EUR 256 bedeutet: Wer mit Plattformen weniger verdient, muss nichts deklarieren. In der Schweiz gilt das ausdrücklich nicht. Wer den deutschen Ratgeber falsch liest, riskiert eine unangenehme Rückfrage vom Steueramt.
Praktische Tabelle: was bedeutet das in Franken?
Hier eine Übersicht, was du bei verschiedenen Mini-Verdiensten konkret tun musst:
| Jahres-Verdienst | Steuerpflicht | AHV-Pflicht | Aufwand |
|---|---|---|---|
| CHF 50 | Ja, deklarieren | Nein | Eine Zeile |
| CHF 200 | Ja, deklarieren | Nein | Eine Zeile |
| CHF 800 | Ja, deklarieren | Nein (freiwillig) | Eine Zeile + ggf. Pauschalabzug |
| CHF 2'200 | Ja, deklarieren | Nein (freiwillig) | Eine Zeile + Pauschalabzug |
| CHF 2'600 | Ja, deklarieren | Ja, anmelden | Anmeldung Ausgleichskasse + Steuererklärung |
Konkrete Plattformen: wie deklarieren?
Die typischen Plattformen, mit denen Schweizer Nutzer Kleinbeträge verdienen, behandeln ihre Auszahlungen alle gleich aus Sicht des Steueramtes — nämlich als Einkünfte aus selbständiger Nebenerwerbstätigkeit.
TestingTime (User-Tests)
TestingTime aus Zürich zahlt typischerweise CHF 30–50 pro Test, manche Studien bringen bis CHF 100. Die Auszahlung erfolgt per Überweisung. Du erhältst keinen Lohnausweis. Auszahlungsübersicht im Account herunterladen, Total der Steuererklärung beilegen.
AmPuls Marktforschung
Schweizer Marktforschungsunternehmen, das Online-Panels betreibt. Auszahlungen erfolgen in CHF, oft per Banküberweisung oder via Gutscheine. Wenn die Auszahlung in echtes Geld umgewandelt wird, ist sie steuerpflichtig.
Toluna
Internationaler Anbieter, Auszahlung in PayPal-Guthaben oder Gutscheinen. Wichtig: Auch PayPal-Guthaben in EUR/USD ist Einkommen, sobald es ausgezahlt oder verwendet wird. Im Bemerkungsfeld der Steuererklärung den Wechselkurs zum Zeitpunkt der Auszahlung notieren.
Triaba
Umfrage-Plattform mit kleinen Auszahlungen. Selbst wenn du nur CHF 30 pro Jahr verdienst, ist das deklarationspflichtig. Auch wenn der praktische Steuereffekt minimal ist — es geht um die Korrektheit deiner Erklärung.
Was passiert wenn ich CHF 50 «vergesse»?
Bei einem so kleinen Betrag ist das praktische Risiko, entdeckt zu werden, gering. Aber rechtlich ist es Steuerhinterziehung. Wenn dein Steueramt später eine Auszahlung auf deinem Bankkonto sieht und nachfragt, kann eine Busse fällig werden — auch wenn die hinterzogene Steuer nur ein paar Franken beträgt.
Ein realer Effekt: Wer mehrere Jahre lang «kleine Beträge vergisst», baut ein Muster auf. Wenn das einmal auffällt (z. B. weil du später höhere Plattform-Verdienste hast), wird rückwirkend geprüft. Was als «CHF 50» begonnen hat, kann sich über 5 Jahre auf einen unangenehmen Bescheid summieren.
Der einfachste Schutz: Eintragen, fertig. Der Aufwand ist eine Zeile.
Was bedeutet das für dich konkret?
Die Schweizer Regelung ist klar: Wer Geld einnimmt, deklariert es. Es gibt keine Bagatellgrenze. Aber das ist auch keine Strafe — bei kleinen Beträgen wirkt sich das auf deine Steuerlast nur marginal aus, oft im Bereich von CHF 5–50 zusätzlich pro Jahr.
Plattformen mit Schweiz-Bezug gibt es einige: TestingTime, AmPuls, Toluna, Triaba, Cashback-Apps wie Rabattcorner, Werbe-View-Plattformen. Wir betreiben selbst eine solche Plattform — Videte — auf der Nutzer für das Anschauen von Werbung in CHF vergütet werden. Auch hier gilt: Auszahlungen sind ab dem ersten Franken steuerpflichtig. Wir machen daraus keinen Hehl — im Gegenteil, Transparenz ist uns wichtig.
Für die ganz grosse Linie — Stufen, AHV, Quellensteuer, Abzüge — lies den vollständigen Pillar-Guide zur Nebenverdienst-Versteuerung. Wenn du wissen willst, ab wann die AHV-Anmeldung wirklich Pflicht wird, ist der Spoke «Ab welchem Betrag bei AHV als Selbständiger anmelden?» der richtige nächste Schritt.