1. Was ist OneID Schweiz?
Direkte Antwort: OneID Schweiz ist eine gemeinsame Login- und Identitäts-Initiative der wichtigsten Schweizer Medienhäuser. Schweizer Internet-Nutzer registrieren sich einmal und nutzen diesen Login über Verlags-Properties hinweg — mit ihrer Einwilligung können Werbetreibende sie auf den teilnehmenden Sites zielgerichtet ansprechen.
Die Idee ist einfach: Wenn 3rd-Party-Cookies wegfallen, brauchen Publisher einen anderen identifizierenden Mechanismus. Ein medienübergreifender Login löst das Problem — allerdings nur für die teilnehmenden Properties. Für Werbetreibende bedeutet das: Ein klar abgrenzbares, einwilligungs-basiertes Werbe-Inventar mit Schweizer Reichweite.
Strategischer Hintergrund
OneID ist eine Reaktion auf zwei parallele Entwicklungen:
- Cookie-Aus: Browser-seitige Blockierung macht 3rd-Party-Targeting unzuverlässig.
- Walled-Garden-Dominanz: Meta, Google, Amazon haben First-Party-Daten — kleine Publisher nicht. Eine Allianz schafft kollektiv eine vergleichbare Datenbasis.
Ähnliche Initiativen existieren in anderen Ländern: NetID in Deutschland, NonID/Aluna in Frankreich, ID5 als überregionale Lösung. OneID ist die Schweizer Variante mit lokalem Fokus.
Quellen: IAB Switzerland, Goldbach, Ringier Advertising.
2. Beteiligte Publisher und Reichweite
Zu den Gründern und grössten beteiligten Häusern zählen:
Realistische Reichweiten-Einschätzung
OneID-eingeloggte Nutzer decken einen relevanten Teil der Schweizer Internet-Nutzer ab — insbesondere bei den stärkeren Marken (20 Minuten, Blick, Watson). Die Login-Quote liegt aber deutlich unter 100 % der Site-Besucher: Viele Nutzer bleiben anonym, vor allem bei Boulevard- und Newssites.
Faustregel für KMU: Mit einer OneID-basierten Kampagne erreichen Sie typischerweise einen einstelligen bis niedrig zweistelligen Prozentsatz der Schweizer Internet-Nutzer mit hoher Präzision — nicht mehr.
3. Wie OneID technisch funktioniert
- Registrierung: Der Nutzer registriert sich auf einer der teilnehmenden Properties mit E-Mail und Präferenzen, willigt explizit in die medienübergreifende Datennutzung ein.
- Single-Sign-On: Beim Besuch einer anderen OneID-Property wird der Nutzer automatisch erkannt (eingeloggt).
- Datenschicht: Profil-Daten (Demographie, Interessen, Verhaltens-Aggregate) werden in einer kuratierten Datenschicht gehalten.
- Targeting: Werbetreibende wählen Targeting-Kriterien (Alter, Region, Interessen) aus — Werbung wird nur an Nutzer ausgespielt, deren OneID-Profil passt.
- Frequenz / Reporting: Cross-Site-Frequenz-Capping und Reichweiten-Reporting funktionieren über die OneID-Achse, nicht über Cookies.
4. Wie KMU Zugang zu OneID-Inventar bekommen
Direkte Antwort: KMU buchen OneID-Inventar in der Regel nicht direkt über die OneID-Allianz, sondern über die Vermarkter Goldbach (TX Group, CH Media) oder Ringier Advertising. Selfservice-Zugang ist begrenzt — programmatische Buchung über DSPs ist je nach Format möglich.
Drei Buchungs-Wege
- Direkt-Buchung über Verlagshaus-Vermarkter: Klassische Werbe-Anfrage bei Goldbach oder Ringier Advertising. Für grosse Kampagnen mit individueller Beratung. Typische Mindest-Investition: vier- bis fünfstellig.
- Programmatische Buchung über DSPs: Tools wie Adform, The Trade Desk oder Xandr-DSPs bieten Zugang zu OneID-Inventar als Targeting-Option. Geringere Mindest-Buchungsbeträge, dafür mehr technisches Know-how nötig.
- Über spezialisierte Mediaagenturen: Erfahrene Schweizer Mediaagenturen kennen die Buchungsmechanismen und bündeln Volumen — oft die pragmatischste Variante für KMU mit mittleren Budgets.
Targeting-Optionen typisch
- Demographisch (Alter, Geschlecht)
- Geografisch (Region, Sprachregion, Postleitzahl)
- Interessen-basiert (selbstdeklariert oder verhaltens-aggregiert)
- Lookalike auf Basis Ihrer eigenen First-Party-Daten
- Frequenz-Capping cross-site
5. Grenzen und kritische Punkte
Reichweite
OneID erreicht nur eingeloggte Nutzer der teilnehmenden Properties. Wer auf Boulevard-News oder Watson nicht eingeloggt ist, bleibt unsichtbar. Internationale Plattformen (Meta, Google, TikTok) sind nicht Teil von OneID.
Datenfluss zurück zum KMU
Im Gegensatz zu eigenen First-Party-Daten gehen die OneID-Daten nicht an das werbetreibende KMU zurück. Sie kaufen Targeting-Präzision — aber Sie bauen kein eigenes Daten-Asset auf.
Eintrittshürden
Mindest-Buchungsbeträge, technische Setup-Anforderungen und die Notwendigkeit, mit Vermarktern zu verhandeln, sind für kleine KMU mit wenig Marketing-Erfahrung eine reale Eintrittshürde.
Walled-Garden-Logik
OneID ist eine Antwort auf den Walled-Garden-Trend — aber strukturell selbst ein (kleinerer) Walled Garden. Die Daten sind kuratiert und gebunden an die teilnehmenden Publisher.
6. Alternativen für KMU mit kleinem Budget
Für kleinere KMU, deren Budget nicht für OneID-Direkt-Buchungen reicht, gibt es realistische Alternativen:
- Contextual Targeting: Cookie-frei, ohne Login-Mechanik, sofort einsetzbar. Mehr im Spoke Contextual Targeting in der Schweiz.
- Aufmerksamkeits-Plattformen: Selbstregistrierte Schweizer Audience mit Profil-Daten, ohne Mindest-Volumen. Mehr im Spoke Aufmerksamkeits-Plattform-Vorteil.
- Eigene First-Party-Daten: Längerer Aufbau, aber stärkstes strategisches Asset. Spoke: First-Party-Daten für KMU.
- Goldbach-Self-Service: Kleinere Goldbach-Kampagnen sind über den Goldbach-Self-Service (begrenzt) buchbar — prüfen Sie aktuelle Optionen direkt.