- Der Schweizer Werbemarkt umfasst gut sechs Milliarden Franken im Jahr.
- Der Medienverlust ist die sichtbare Folge.
- Ein Werbefranken, der an einen ausländischen Konzern geht, verlässt den inländischen Kreislauf als Gewinn.
- Beim heute üblichen Modell zahlt der Werbetreibende die Plattform, und die Aufmerksamkeit des Publikums ist der kostenlose Rohstoff.
Die Zahlen
- Werbeeinnahmen in der Schweiz insgesamt: etwas mehr als CHF 6 Milliarden
- Werbeeinnahmen von US-Techunternehmen (Alphabet, Microsoft, Meta) in der Schweiz: geschätzt CHF 1,9–2,4 Milliarden
- Werbeeinnahmen aller Schweizer Medien zusammen: rund CHF 2 Milliarden
- Werbeumsatz der Presse 2024: CHF 652 Millionen — 75 % weniger als 20 Jahre zuvor
- Rückgang der Presse allein im Jahr 2024: −8 %
Die dritte und die zweite Zeile nebeneinander zu lesen, lohnt sich. Drei Konzerne nehmen in einem Land von neun Millionen Menschen ungefähr so viel Werbegeld ein wie alle Zeitungen, Zeitschriften, Radiostationen und Fernsehsender dieses Landes zusammen — inklusive SRG.
| Empfänger | Werbeeinnahmen in der CH (2024) | Anteil am Markt |
|---|---|---|
| US-Techplattformen (geschätzt) | CHF 1,9–2,4 Mrd. | rund ein Drittel |
| Alle Schweizer Medien zusammen | rund CHF 2 Mrd. | rund ein Drittel |
| davon Presse | CHF 652 Mio. | gut ein Zehntel |
| Übrige Gattungen und Kanäle | Rest bis CHF 6 Mrd. | rund ein Drittel |
Was das für ein KMU bedeutet — nicht nur für Medien
Ein Markt, in dem ein Anbieter einen sehr grossen Anteil hält, funktioniert für Kunden anders als ein Markt mit vielen Anbietern. Das ist keine moralische Aussage, sondern Marktmechanik:
- Preissetzung: Wer keine echte Alternative hat, verhandelt nicht — er akzeptiert.
- Messbarkeit: Die Plattform misst ihre eigene Leistung und liefert die Auswertung. Eine unabhängige Gegenprobe gibt es kaum.
- Datenzugang: Die Zielgruppendaten bleiben bei der Plattform. Beim Wechsel nimmst du nichts mit.
- Klumpenrisiko: Eine Algorithmusänderung kann ein Geschäftsmodell über Nacht verändern — das haben Verlage und Händler wiederholt erlebt.
Wie sich das in konkreten Tausender-Kontaktpreisen niederschlägt, rechnet der CPM-Vergleich Schweiz durch; was davon durch Streuverlust verloren geht, steht in Streuverlust messen.
Der Kreislauf — und wo das Argument endet
Die Argumentation ist einfach: Zahlt ein Berner Malergeschäft CHF 2'000 an eine ausländische Plattform, verbucht der Konzern daraus einen Gewinn, der grossteils nicht in der Schweiz verbleibt. Zahlt dasselbe Geschäft CHF 2'000 an eine Schweizer Plattform, die den Grossteil an Schweizer Nutzerinnen und Nutzer weitergibt, landet das Geld bei Haushalten, die es überwiegend im Inland ausgeben.
Und hier ist der Einwand, den wir selbst mitliefern, weil er stichhaltig ist:
Wer das Argument überdehnt, macht es angreifbar. In der ehrlichen Fassung bleibt es trotzdem stark: Bei einem Drittel eines Sechs-Milliarden-Marktes geht es nicht um Rundungsfehler.
Ein Werbemodell, das etwas zurückgibt
Der Unterschied ist keine Marketing-Nuance, sondern eine andere Verteilung derselben Summe:
| Übliches Plattform-Modell | Vergütete Aufmerksamkeit | |
|---|---|---|
| Wer zahlt | Werbetreibender | Werbetreibender |
| Wer liefert die Aufmerksamkeit | Publikum | Publikum |
| Wer wird dafür bezahlt | die Plattform | das Publikum |
| Woher die Zielgruppendaten kommen | Verhaltens-Tracking | selbst deklariertes Profil |
| Wo die Marge landet | überwiegend im Ausland | im Inland |
Bei Videte gehen 95 Prozent der Vergütung an die Person, die den Spot ansieht, 5 Prozent bleiben bei der Plattform. Ein Werbekunde zahlt CHF 158 pro tausend verifizierte 30-Sekunden-Views — davon rund CHF 150 an Schweizer Nutzerinnen und Nutzer. Die Mechanik im Detail steht in Mit Werbung-schauen Geld verdienen, die Sicht der Werbekunden auf der Seite für Unternehmen.
Der Fall, der die Richtung umkehrt
Bisher ging es darum, einen Abfluss zu vermeiden. Es gibt aber auch die Gegenrichtung: Bucht ein ausländisches Unternehmen Schweizer Aufmerksamkeit — etwa ein deutscher Händler, der Schweizer Kundschaft erreichen will — dann fliesst ausländisches Geld in die Schweiz und landet zu 95 Prozent bei Schweizer Haushalten.
Ökonomisch ist das kein Werbeeinkauf mehr, sondern ein Export: Verkauft wird Schweizer Aufmerksamkeit, bezahlt wird aus dem Ausland, der Erlös bleibt im Inland. Genau das tun die grossen Plattformen heute mit umgekehrtem Vorzeichen — sie verkaufen Schweizer Reichweite und verbuchen den Erlös anderswo.
Kein Entweder-oder
Ein Mediaplan, der zu 100 Prozent auf einem Kanal steht, ist unabhängig vom Anbieter ein Risiko. Wer zehn oder zwanzig Prozent auf einen zweiten Kanal legt, kauft sich Vergleichbarkeit — und erfährt nebenbei, was der Hauptkanal tatsächlich wert ist. Dass dieser zweite Kanal die Marge im Land lässt, ist dann ein Zusatznutzen, kein Selbstzweck.
Den Vergleich mit kleinem Einsatz machen
Werbung buchen bei einer Schweizer Plattform mit Sitz in Bern: CHF 158 CPM für verifizierte 30-Sekunden-Aufmerksamkeit, DSG-konform, Hosting in der Schweiz, Guthaben-Modell ohne Vertrag.
Zur Seite für UnternehmenWas bedeutet das für Sie konkret?
Nehmen Sie Ihren letzten Jahres-Mediaplan und beantworten Sie drei Fragen: Wie viel Prozent liegen bei einem einzigen Anbieter? Wie viel dieses Betrags verbleibt als Marge im Ausland? Und woher wissen Sie, dass die gemeldete Leistung stimmt — ausser von dem Anbieter, der sie meldet?
Wer alle drei Fragen beantworten kann, hat einen guten Mediaplan. Wer bei der dritten ins Stocken gerät, hat das eigentliche Problem gefunden — und das hat mit Landesgrenzen zunächst gar nichts zu tun.